Euro-Krise: Jörg Eigendorf in Welt-online (22.02.2012) „Der Preis für das falsche Spiel wird Inflation sein“
„<...> Das neue Griechenland-Paket sollte jeden, der über die nächste Wahl hinausdenkt, sehr, sehr skeptisch stimmen. Nichts ist gut, nichts ist gelöst. Im Gegenteil: Griechenland hat über zwei Jahre bewiesen, dass es nicht imstande ist, auch nur einfache Bedingungen zu erfüllen. Trotzdem bekommt es nun weitere 130 Milliarden Euro zugesichert. Niemand will die Reißleine ziehen, alle haben Angst vor dem Abgrund, der sich dann auftun könnte. Der wird allerdings immer tiefer, je länger die europäische Staatengemeinschaft daran festhält, trotz richtiger Bestandsaufnahmen falsche Entscheidungen zu treffen. <...>
Jeder weiß jetzt: Wenn man nicht einmal Griechenland diese wundersame, warme Gelddusche abdreht, dann wird man es erst recht in keinem anderen Land wagen. Und die griechische Regierung weiß: Brüssel hat nicht den Mut, mehr zu machen, als mal richtig laut zu werden. <...>
Die Griechen können sich jetzt noch sicherer sein, dass Europa auch die schlimmsten Verbiegungen vollbringt, um nicht endlich das zu tun, was angesagt wäre: Griechenland pleitegehen zu lassen mit der möglichen Konsequenz, dass es die Euro-Zone verlassen muss. <...>
<...> die Europäische Zentralbank (EZB) überschüttet auch die Banken mit Billionen. <...> Bank möchte man sein in diesen Tagen, am besten in Südeuropa. Das Geld gibt es fast geschenkt. Die Kreditinstitute bekommen es zum Minimalzins von einem Prozent für drei Jahre geliehen.<...>
Jetzt, wo sie das Gefühl haben können, die EZB geknackt zu haben, und sich die Zentralbankbilanz aufbläht wie ein wundersames Hefeteilchen, brauchen sie
Irgendwann wird auch die größte Finanzspritze nicht mehr reichen, um die Löcher zu stopfen, die sich durch verantwortungslose Politik aufgetan haben. Was dann aber kommt, wird kein gewöhnlicher Krisenkater sein. Sondern tragisch im griechischen Verständnis dieses Wortes.“
Leider ist es unter Politikern nicht verbreitet, über die nächste Wahl hinaus zu denken.
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